Lions Quest

"Erwachsen werden" ist für Kinder und Jugendliche heutzutage nicht ganz einfach, viele soziale Kompetenzen sind notwendig, um mit den Problemen des Erwachsenwerdens fertig zu werden.

Nicht ganz einfach ist es auch Kinder und Jugendliche im schulischen Rahmen bei diesem Prozess zu begleiten. In der Geschwister-Scholl-Gesamtschule gab es immer wieder Stimmen im Kollegium, die nach Regeln, Maßnahmen und pädagogischen Hilfen im Umgang mit den Schüler/innen suchten.

Im Herbst 98 lernten drei Mitglieder des Kollegiums das Lions Quest-Programm "Erwachsen werden" während einer 3-tägigen Fortbildung des ortsansässigen Lions-Club kennen und stellten fest, dass das Konzept hervorragend geeignet scheint um die Persönlichkeitsentwicklung und das soziale Lernen von Jugendlichen nachhaltig zu fördern. Lions Quest bietet Hilfen in Form von Unterrichtsmodellen, bei denen Methoden wie Interaktionsübungen, Rollenspiele, Visualisierung etc. angewandt werden um Themen wie Kennen lernen, Kooperation, Stärkung des Selbstvertrauens den Schülern "erlebbar" zu machen.

Lions Quest 1984 wurde das Programm in den USA entwickelt und seitdem mit großem Erfolg angewandt. In Begleitung von Prof. Dr. Hurrelmann wurde es auf den deutschsprachigen Raum übertragen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Vermittlung von Lebenskompetenzen die wirksamste Vorbeugung gegen Suchtgefährdung ist und gleichzeitig Gewaltbereitschaft reduziert.

Mittlerweile schauen wir auf vier Jahre Lions-Quest in den Klassen 5 und 6 zurück, die uns zeigen, dass dieses Programm besonders gut geeignet ist um Klassen bei ihrer Gruppenfindung zu begleiten und um Werte und Normen einzuführen, die auch in höheren Jahrgängen für ein friedliches Zusammenleben im Schulleben unabdingbar sind.

"Wenn Klassen schwierig wurden, hatten wir oft ein Gefühl der Hilflosigkeit. Durch das Lions-Quest-Programm haben wir ein Instrument gefunden, mit dem man präventiv arbeiten kann. Beginnt man bereits im 5. Jahrgang mit dem Lions-Quest-Programm, treten viele Probleme erst gar nicht auf."

Frau Vella, Abteilungsleiterin I an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule spricht aus Erfahrung. Sie ist verantwortlich für die pädagogische Arbeit in den Jahrgängen 5 -7. Natürlich ist das Lions-Quest-Programm kein Allheilmittel, manche Probleme lassen sich damit nicht lösen, sondern werden in den Stunden sichtbarer und können dann in Form von Einzelfallhilfe durch Beratung der Schüler und Eltern auf den Weg gebracht werden.

Als einen Baustein des Soziales Lernens in der Geschwister-Scholl-Gesamtschule hat das Programm einen festen Platz im Schulprogramm und im Schulalltag gefunden; jeweils eine Stunde in der Woche am Nachmittag findet im Klassenverband dieses Projekt im Jahrgang 5 und 6 statt.

Durch diese zusätzliche Quest-Stunde begleiten der Klassenlehrer und ein Quest-Lehrer die Gruppe sehr intensiv bei ihrem Übergang in die neue Schule. Besonders intensiv wird das Programm in den ersten beiden Schulwochen der Klasse 5 als Kennenlernprogramm eingesetzt. Die Kinder haben dann jeden Tag Lions-Quest-Stunden um sich von Anfang an gut kennen zu lernen und bestimmte Regeln des sozialen Miteinanders zu erarbeiten und einzuüben.

Eine Weiterführung erfährt das Lions-Quest-Programm im 7. Jahrgang durch die Mädchen- und Jungenprojekttage. Während dieser zwei Projekttage arbeiten die Klassen geschlechtsspezifisch zum Thema Selbstbehauptung und Konfliktlösung.

"Wenn Werte und Normen von uns Pädagog/innen nicht von Anfang an als Orientierung an die Kinder weitergegeben werden, dann entwickeln Klassen ihre eigenen Regeln und Gesetze, die nach einiger Zeit nur noch schwer aufzubrechen sind" sagt Schulsozialpädagogin A. v.d. Eijk und spricht damit die Notwendigkeit an, Schule nicht nur auf die Vermittlung von Fachwissen zu beschränken, sondern auch soziales Lernen zu ermöglichen und bewusst zu steuern. Spätestens beim Eintritt in das Berufsleben werden soziale Kompetenzen wie z.B. Teamfähigkeit in allen Berufsbereichen vorausgesetzt. Die Eltern werden an einem Elternabend über das Programm informiert und können durch ein spezielles Elternheft aktiv am Lernprozess ihrer Kinder teilhaben.

Der Erfolg des Programms hängt von der Beteiligung aller am Erziehungsprozess des Kindes Mitwirkenden ab, nur dann wirken Inhalte auch über die Lions-Quest-Stunden hinaus. Besonders wichtig ist dabei auch, dass Inhalte des Programms in Quest-Klassen von allen unterrichtenden Lehrern getragen und möglichst auch in den Fachunterricht transferiert werden.

Damit sind selbstverständlich nicht alle Probleme beseitigt, aber es hilft Kompetenzen auf Schüler-, Eltern- und Lehrer/innenseite einzuüben um Konflikte und Probleme zu reduzieren bzw. konstruktiv zu bearbeiten.

Mittlerweile verfügt die Schule über ein Team von 25 ausgebildeten Lions-Quest- Lehrern. Eine zukünftige Erweiterung des Quest-Lehrerteams wird durch regelmäßige Fortbildungen des Lions Club Moers gewährleistet.

Unser Dank gilt an dieser Stelle besonders Hr. Dr. Cherubim und dem Lions Club Moers, der es durch seine finanzielle Unterstützung ermöglicht hat, einen Teil unseres Kollegiums in das Programm einzuführen.

Publiziert am: Dienstag, 11. Mai 2004 (4661 mal gelesen)
Copyright © by GSG Moers

Druckbare Version

[ Zurück ]

[top]